Geschichte
Geschichte
Möbel wandeln sich langsamer als die Kleidermode, spiegeln ihre Zeit aber ebenso zuverlässig. Die Chronik unten enthält nur drei Daten, die in der Fachliteratur sicher belegt sind. Darunter folgt eine Erzählung vom Wandel der Stile in groben Zügen: ohne überflüssige Zahlen, dafür mit Merkmalen, an denen sich jede Epoche erkennen lässt.
Jeder neue Stil widersprach dem vorigen: Auf Prunk folgte Strenge, auf Handschnitzerei die Maschine, auf Verzierung die klare Fläche.
Chronik
- 1754
Der Kunsttischler Thomas Chippendale veröffentlicht sein Vorlagenbuch „The Gentleman and Cabinet-Maker's Director“ (etwa: „Leitfaden für den Gentleman und den Kunsttischler“). Seine Entwürfe werden damit auch Handwerkern und Auftraggebern zugänglich, die seine Werkstatt nie betreten haben.
- 1859
Die Werkstatt von Michael Thonet bringt den Bugholzstuhl Nr. 14 heraus. Er wird zerlegt verschickt, die Teile werden mit Schrauben verbunden: Der Stuhl lässt sich leicht transportieren und vor Ort zusammensetzen.
- 1919
Walter Gropius gründet in Weimar die Schule Bauhaus, an der die Ausbildung in der Kunst mit der Arbeit in Werkstätten verbunden wird.
Wie die Stile einander ablösten
Der Barock liebte das Großartige: massive Schränke und Sessel, tiefe Schnitzerei, Vergoldung, Möbel für Prunksäle. Das Rokoko machte dieselben Mittel leichter und intimer – es kamen geschwungene Beine auf, asymmetrische Ornamente mit Schnörkeln und Muscheln, kleine Stücke für Salons und Boudoirs.
Der Klassizismus antwortete auf diese Verspieltheit mit Strenge. Die Handwerker wandten sich der Antike zu: gerade Beine, klare Proportionen, Säulen, Mäander und ruhige glatte Flächen. Das Empire machte diese Sprache feierlicher – mit dunklem poliertem Holz, Bronzebeschlägen und Motiven, die an die Größe eines Imperiums erinnern.
Das 19. Jahrhundert brachte Maschinen und Serienfertigung. Es gab mehr Möbel, sie wurden erschwinglicher und gelangten in Haushalte, die früher mit dem Nötigsten auskamen; zugleich kehrten frühere Stile als Nachahmungen und Mischformen zurück. Der Jugendstil versuchte um die Jahrhundertwende, sich von den Wiederholungen zu lösen: Seine Linien sind biegsam wie Pflanzenstängel, Möbel und Raum werden als Einheit gedacht.
Im 20. Jahrhundert schlugen Avantgarde und Bauhaus vor, zugunsten einer klaren Konstruktion auf Verzierung zu verzichten: Stahlrohr, Sperrholz, einfache geometrische Körper. Zur Jahrhundertmitte wurden die Formen weicher und organischer, schwere Garnituren wichen leichten Stücken auf dünnen Beinen. Der Minimalismus trieb die Idee auf die Spitze und ließ nur Fläche, Proportion und Material übrig.
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Quellen
- Nachschlagewerke zur Geschichte der Möbel und des Kunsthandwerks
- Museumskataloge und Führer zu Möbelsammlungen
Die historischen Angaben stützen sich auf Fachliteratur zur Geschichte der Möbel und des Kunsthandwerks. Öffnungszeiten und Abläufe von Museen, Schlössern und Werkstätten ändern sich; bitte erkundigen Sie sich direkt vor Ort.