Genau hingesehen
Genau hingesehen
Eine solche Betrachtung erfordert kein Fachwissen und ersetzt kein Gutachten. Sie ist eine Möglichkeit, langsamer zu werden und die Entscheidungen der Handwerker zu bemerken: Warum hat die Lehne genau diese Höhe, was hält den Sitz, wozu brauchte der Schnitzer dieses Blatt? Jedes Stück eignet sich – vom Stuhl im Museumssaal bis zur Kommode Ihrer Großmutter.
Ein Möbelstück beantwortet Fragen gern, wenn man sie der Reihe nach stellt: Was ist es, woraus, wie ist es gebaut und was ist ihm später widerfahren?
So lesen Sie ein Möbelstück
Beschreiben Sie die Silhouette
Treten Sie zurück und betrachten Sie das Stück als Ganzes: hoch oder gedrungen, breit oder schlank, überwiegen gerade Linien oder Schwünge?
Ein angenommenes Beispiel: Ein Sessel mit geschwungenen Beinen und welliger Lehnenkante neigt zum Rokoko, einer mit strenger rechteckiger Lehne und geraden Beinen zum Klassizismus.
Bestimmen Sie das Material
Massivholz oder Furnier, welche Holzart, gibt es Metall, Geflecht, Stoff? Sehen Sie sich Stirnseiten und Kanten an: Dort ist eine Furnierschicht am leichtesten zu erkennen.
Finden Sie die Verbindungen
Untersuchen Sie die Stellen, an denen die Beine auf die Zarge treffen und die Lehne auf den Sitz. Zapfen und Dübel sprechen für Tischlerarbeit, Metallwinkel oft für eine spätere Reparatur oder Serienfertigung.
Ein angenommenes Beispiel: Schrauben an einem Bugholzstuhl sind nicht unbedingt eine spätere Reparatur; bei solchen Stühlen gehören sie oft zum Entwurf, wie beim Stuhl Nr. 14.
Betrachten Sie die Polsterung
Stoff oder Leder, Nägel, Borte, Heftung. Fragen Sie sich, ob die Polsterung so alt ist wie das Gestell: Sie wurde oft erneuert, und ein neuer Stoff kann eine alte Konstruktion verbergen.
Lesen Sie den Dekor
Schnitzerei, Marketerie, Auflagen, Bemalung. Fragen Sie sich, ob die Verzierung die Form betont oder ein Eigenleben führt.
Halten Sie die Spuren der Zeit fest
Abnutzung, Reparaturen, Löcher früherer Beschläge, unterschiedliche Holzfarben. Notieren Sie sie, statt sie gleich beheben zu wollen: Sie gehören zur Geschichte des Stücks.
Elemente eines Möbelstücks
| Element | Was es ist | Worauf Sie achten sollten |
|---|---|---|
| Silhouette | Der Gesamtumriss des Stücks und das Verhältnis seiner Teile | Gerade Linien oder Schwünge, leicht oder schwer wirkend |
| Beine | Die Stützen, auf denen das Stück steht | Gerade, gedrechselt, geschwungen, gebogen oder aus Metall; gibt es Querstreben dazwischen? |
| Lehne | Rückenstütze bei Stuhl, Sessel oder Sofa | Höhe, Neigung, geschlossen, durchbrochen oder gepolstert |
| Sitz | Die Fläche, auf der man sitzt | Hart, geflochten oder gepolstert; Sitztiefe und Sitzhöhe |
| Verbindungen | Arten, Teile miteinander zu verbinden | Zapfen, Keile, Dübel, Schrauben, Leim; sind die Verbindungen gelockert? |
| Polsterung | Weiche Schicht und Bezug aus Stoff oder Leder | Material, Heftung, Kantenabschluss, gleich alt wie das Gestell? |
| Beschläge | Griffe, Scharniere, Schlösser, Auflagen, Rollen | Material und Stil, Spuren von Austausch, Löcher früherer Teile |
| Dekor | Schnitzerei, Marketerie, Vergoldung, Bemalung | Passt das Ornament zur Form, wo ist es erhalten, wo verloren? |
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Quellen
- Nachschlagewerke zur Geschichte der Möbel und des Kunsthandwerks
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Die historischen Angaben stützen sich auf Fachliteratur zur Geschichte der Möbel und des Kunsthandwerks. Öffnungszeiten und Abläufe von Museen, Schlössern und Werkstätten ändern sich; bitte erkundigen Sie sich direkt vor Ort.