Unabhängiges kulturelles Nachschlagewerk zur Geschichte der Möbel und Wohnstile. Wir verkaufen und fertigen keine Möbel und haben nichts mit der früheren Website auf dieser Domain und ihrem Katalog zu tun.

Genau hingesehen

Genau hingesehen

Eine solche Betrachtung erfordert kein Fachwissen und ersetzt kein Gutachten. Sie ist eine Möglichkeit, langsamer zu werden und die Entscheidungen der Handwerker zu bemerken: Warum hat die Lehne genau diese Höhe, was hält den Sitz, wozu brauchte der Schnitzer dieses Blatt? Jedes Stück eignet sich – vom Stuhl im Museumssaal bis zur Kommode Ihrer Großmutter.

Ein Möbelstück beantwortet Fragen gern, wenn man sie der Reihe nach stellt: Was ist es, woraus, wie ist es gebaut und was ist ihm später widerfahren?

— Randnotiz

So lesen Sie ein Möbelstück

  1. Beschreiben Sie die Silhouette

    Treten Sie zurück und betrachten Sie das Stück als Ganzes: hoch oder gedrungen, breit oder schlank, überwiegen gerade Linien oder Schwünge?

    Ein angenommenes Beispiel: Ein Sessel mit geschwungenen Beinen und welliger Lehnenkante neigt zum Rokoko, einer mit strenger rechteckiger Lehne und geraden Beinen zum Klassizismus.

  2. Bestimmen Sie das Material

    Massivholz oder Furnier, welche Holzart, gibt es Metall, Geflecht, Stoff? Sehen Sie sich Stirnseiten und Kanten an: Dort ist eine Furnierschicht am leichtesten zu erkennen.

  3. Finden Sie die Verbindungen

    Untersuchen Sie die Stellen, an denen die Beine auf die Zarge treffen und die Lehne auf den Sitz. Zapfen und Dübel sprechen für Tischlerarbeit, Metallwinkel oft für eine spätere Reparatur oder Serienfertigung.

    Ein angenommenes Beispiel: Schrauben an einem Bugholzstuhl sind nicht unbedingt eine spätere Reparatur; bei solchen Stühlen gehören sie oft zum Entwurf, wie beim Stuhl Nr. 14.

  4. Betrachten Sie die Polsterung

    Stoff oder Leder, Nägel, Borte, Heftung. Fragen Sie sich, ob die Polsterung so alt ist wie das Gestell: Sie wurde oft erneuert, und ein neuer Stoff kann eine alte Konstruktion verbergen.

  5. Lesen Sie den Dekor

    Schnitzerei, Marketerie, Auflagen, Bemalung. Fragen Sie sich, ob die Verzierung die Form betont oder ein Eigenleben führt.

  6. Halten Sie die Spuren der Zeit fest

    Abnutzung, Reparaturen, Löcher früherer Beschläge, unterschiedliche Holzfarben. Notieren Sie sie, statt sie gleich beheben zu wollen: Sie gehören zur Geschichte des Stücks.

Elemente eines Möbelstücks

ElementWas es istWorauf Sie achten sollten
SilhouetteDer Gesamtumriss des Stücks und das Verhältnis seiner TeileGerade Linien oder Schwünge, leicht oder schwer wirkend
BeineDie Stützen, auf denen das Stück stehtGerade, gedrechselt, geschwungen, gebogen oder aus Metall; gibt es Querstreben dazwischen?
LehneRückenstütze bei Stuhl, Sessel oder SofaHöhe, Neigung, geschlossen, durchbrochen oder gepolstert
SitzDie Fläche, auf der man sitztHart, geflochten oder gepolstert; Sitztiefe und Sitzhöhe
VerbindungenArten, Teile miteinander zu verbindenZapfen, Keile, Dübel, Schrauben, Leim; sind die Verbindungen gelockert?
PolsterungWeiche Schicht und Bezug aus Stoff oder LederMaterial, Heftung, Kantenabschluss, gleich alt wie das Gestell?
BeschlägeGriffe, Scharniere, Schlösser, Auflagen, RollenMaterial und Stil, Spuren von Austausch, Löcher früherer Teile
DekorSchnitzerei, Marketerie, Vergoldung, BemalungPasst das Ornament zur Form, wo ist es erhalten, wo verloren?
  • Menschen

    Die Berufe, ohne die Möbel weder entstehen noch erhalten bleiben, und drei Namen aus unserer Chronik.

  • Rundgänge

    Rundgänge durch das Nachschlagewerk: nach Stilen, nach Handwerkstechniken und ein kurzer Weg für den Einstieg.

  • Veranstaltungen

    Welche Veranstaltungen es rund um Möbel und Interieur gibt und wie Sie sich auf eine Führung im Museum oder Schloss vorbereiten.

Quellen

  • Nachschlagewerke zur Geschichte der Möbel und des Kunsthandwerks
  • Museumskataloge und Führer zu Möbelsammlungen

Die historischen Angaben stützen sich auf Fachliteratur zur Geschichte der Möbel und des Kunsthandwerks. Öffnungszeiten und Abläufe von Museen, Schlössern und Werkstätten ändern sich; bitte erkundigen Sie sich direkt vor Ort.